BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ortsverband Oelde

Mobilität neu denken – Vortrag von Prof. Knie mit vielen Denkanstößen

23.04.26 –

„Wir glauben selbst noch nicht richtig an die Veränderung – aber sie ist längst in vollem Gange.“ Mit dieser pointierten Beobachtung brachte Prof. Dr. Andreas Knie den Kern seines Vortrags bei der Veranstaltung „Grüner Wind – Mobilität neu denken im Drostenhof auf den Punkt. Knapp 70 Interessierte waren der Einladung der Oelder Grünen gefolgt, um über die Zukunft der Mobilität – gerade auch im ländlichen Raum – zu diskutieren.

Die Guideline seines Vortrages war orientiert an seinem aktuellen Buch „Wo kommen bloß die vielen Autos her und wie werden wir sie wieder los?“. So zeichnete der Mobilitätsforscher zunächst nach, wie stark das Auto historisch und politisch privilegiert wurde. Noch heute prägt dieses Selbstverständnis den öffentlichen Raum: Ein Großteil der Verkehrsflächen ist dem Autoverkehr gewidmet, Parken ist vielerorts selbstverständlich. Gleichzeitig wird ein Auto im Durchschnitt nur wenige Minuten am Tag tatsächlich genutzt, 95% der Zeit bleibt das Auto im Parkmodus – ein deutliches Zeichen für ineffiziente Strukturen.

Knie machte deutlich, dass ein Einfaches „Weiter so“ nicht mehr funktioniert. Die Zahl der Fahrzeuge nehme weiter zu, während sich Mobilitätsbedürfnisse bereits verändern: Geschäftsreisen gehen zurück, das Verkehrsaufkommen verschiebt sich. Neue Modelle seien gefragt – flexibler, vernetzter und besser auf den Alltag abgestimmt.

Ein besonderer Fokus lag auf dem Fahrrad. Obwohl bislang nur ein vergleichsweise kleiner Anteil der Wege mit dem Rad zurückgelegt wird, sieht Knie hier enormes Potenzial – insbesondere auf kurzen Strecken. Voraussetzung dafür sei allerdings eine konsequent ausgebaute Infrastruktur. „Das Fahrrad muss als selbstverständliches Verkehrsmittel gedacht werden“, so seine Forderung. Dazu gehöre auch, Planung und Finanzierung stärker zu bündeln – ähnlich wie es beim Straßenbau seit Jahrzehnten üblich ist.

Neben dem Radverkehr plädierte Knie für ein besser verzahntes Gesamtsystem. Angebote wie Carsharing oder On-Demand-Verkehre existierten zwar vielerorts, würden bislang aber oft isoliert entwickelt. Statt vieler einzelner Lösungen brauche es integrierte Systeme nach dem Hub and Spoke Prinzip, die die unterschiedlichen Verkehrsmittel einfach kombinierbar machen. Einheitliche Systeme ermöglichen Skaleneffekte, die dem Kostendruck stark entgegenwirken. Positive Beispiele wie das bundesweit gültige Deutschlandticket zeigten, welches Potenzial in solchen Ansätzen steckt. Auch technologische Entwicklungen bieten aus seiner Sicht Chancen: Autonomes Fahren führt zu mehr Sicherheit und effizienterer Nutzung von Fahrzeugen. Technisch sind sämtliche Voraussetzungen gegeben. Die gesetzlichen Rahmen und überhöhten behördlichen Anforderungen bilden eine zurzeit noch riesige Hürde. Entscheidend sei jedoch, diese Möglichkeiten sinnvoll in ein nachhaltiges Gesamtkonzept einzubetten.

Gerade für kleinere Städte und den ländlichen Raum sieht Knie große Entwicklungsmöglichkeiten. Hier könne Mobilität neu gedacht und flexibler organisiert werden als in gewachsenen Großstadtstrukturen. Voraussetzung sei der politische Wille, neue Wege auszuprobieren und bestehende Privilegien zu hinterfragen. Die Veranstaltung machte deutlich: Die Verkehrswende ist kein fernes Zukunftsprojekt, sondern bereits im Gange. Sie bietet die Chance, Mobilität neu zu organisieren – klimafreundlicher, gerechter und näher an den Bedürfnissen der Menschen.

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