
23.04.26 –
Am 26. April 1986 ereignete sich in Tschernobyl, in der heutigen Ukraine, das bis heute größte Atomunglück in der Geschichte. Der katastrophale Unfall, führte zu einer großflächigen Freisetzung von radioaktiven Stoffen in die Umwelt. Ganz Europa war durch eine gigantische radioaktive Wolke betroffen und viele Regionen sind es aufgrund der sehr langen Halbwertzeit radioaktiver Substanzen auch noch auf lange Sicht. In den Wochen und Monaten nach der Katastrophe starben viele Menschen, sowohl direkt durch die Explosion als auch durch die langfristigen Folgen der Strahlenkrankheit. Wie viele direkte und indirekte Opfer es zu verzeichnen gibt, kann nur erahnt werden. Die damalige Sowjetische Führung hat lange versucht die Auswirkungen zu vertuschen. Heute, 40 Jahre später, gedenken wir der Opfer und reflektieren über die anhaltenden Gefahren der Atomenergie.
Die Ereignisse von Tschernobyl haben die öffentliche Wahrnehmung von Atomkraft nachhaltig verändert. Millionen von Menschen wurden evakuiert und sind bis heute gezwungen, in Sicherheit fernab ihrer Heimat zu leben, während riesige Gebiete in der Nähe des Unglücksortes unbewohnbar blieben. Der Umgang mit radioaktivem Abfall und die gesundheitlichen Langzeitfolgen sind Herausforderungen, die auch nach vier Jahrzehnten noch immer ungelöst sind.
In Oelde wurde als direkte Folge von Tschernobyl, im Juli 1986 die „Bürgerinitiative Oelder gegen Atomkraft“ von den späteren Grünen Stadträten Marita Brormann und Peter Holstegge gegründet. Viele Oelder:innen schlossen sich dieser Initiative an. Oelde war Teil einer bundesweiten erstarkten Anti-Atomkraft-Bewegung. Der nahegelegene THTR in Hamm-Uentrup wurde einige Jahre später stillgelegt. Die massiven Proteste zeigten ihre Wirkung auf die gesamte Atomindustrie.
Folgerichtig hatte Deutschland der Atomkraft 2011 nach dem verheerenden GAU in Fukushima / Japan den Stecker gezogen und einen langen Ausstiegsprozess eingeleitet, der mit der Stilllegung der letzten 3 Atomkraftwerke 2023 besiegelt wurde. Dennoch bleibt das Thema Atomkraft noch Jahrzehnte auf der Tagesordnung: Ein Endlager für tausende Tonnen radioaktiven Mülls gibt es immer noch nicht und wird es auch in absehbarer Zukunft nicht geben. Atommülltransporte mit sogenannten Castoren in unsichere Zwischenlager- wie Ahaus – rollen noch für Jahre durch die Republik. Die Hälfte des Etats des Bundesumweltministers geht in die Altlastenbeseitigung! Bis zum Jahr 2100 sind Kosten von etwa 170 Milliarden zu erwarten! Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit.
Von vielen konservativen Politikern aus, insbesondere aus den Reihen der CDU/CSU, gehen auch heute noch Botschaften in die Wählerschaft, die eine weltweite Renaissance der Atomkraft erkennen wollen und die EU hat, auf französischen Druck, Atomenergie gar als „Grünen Strom“ kategorisiert.
Was ist dran an dieser Phantomdebatte zur Renaissance der Atomkraft?
Die Antwort ist einfach und die Daten sind nachlesbar im „World Nuclear Industry Status Report 2025“ (https://www.worldnuclearreport.org/World-Nuclear-Industry-Status-Report-2025), den das internationale Expertenteam um den renommierten Energie Wissenschaftler Mycle Schneider seit 2007 jährlich veröffentlicht. Die einfache Zusammenfassung: Atomkraft stagniert seit Jahren, während die Regenerativen Energien weltweit Rekordzuwächse verzeichnen. Trotz einer weltweiten Produktionsleistung von 2.677 TWh im Jahr 2024 deckte die Atomenergie weltweit lediglich 9% der weltweiten Gesamtstromproduktion.
2002 waren insgesamt 440 operable Atommeiler im Betrieb – Peak Atom! Heute sind es 30 Atommeiler weniger gegenüber 2002. Für die EU sieht die noch eindeutiger aus: In den vergangenen 20 Jahren gab es 35 Schließungen und lediglich 4 Neubauten. Die langen Bauzeiten und enormen Kosten lassen eine privatwirtschaftlich finanzierte Lösung gleich im Keim ersticken, da ökonomisch nicht abbildbar. Beispiel Flamanville-3 in Frankreich: 17 Jahre Bauzeit und Kosten von 13 Milliarden Euro. Noch spektakulärer: Hinkley Point C in England: 25 Jahre Bauzeit und Kosten größer 35 Milliarden Euro. An dieser Situation werden nach Expertenmeinung auch die kleinen SMR-Typen nichts ändern.
Atomkraft lässt sich ausschließlich mit einem enormen Anteil staatlicher Subventionen aus Steuergeldern realisieren. Was es heißt, sich auf Atomkraft als Hauptenergieerzeugung festzulegen, zeigt uns Frankreich: Der Betreiber EDF (Electricté de France) hängt am Tropf der Regierung mit aktuell 87,5 Milliarden Euro Schulden. Die AKW Flotte mit 57 Meilern ist zudem in die Jahre gekommen und muss durch massiven Neubau ausgeglichen werden, da viele Meiler in die Jahre gekommen sind und ihre technische Lebensdauer in Kürze erreichen werden. Die Fachwelt fragt sich, wann dieses System zusammenbricht, da nicht finanzierbar und im Kern nicht erneuerbar.
In Zeiten in sich zerfallender Sicherheitsarchitekturen, setzen die Unterstützer zudem auf eine fragile Sicherheitsstruktur, da Atomkraftwerke aus militärischer Sicht kaum zu schützen sind. Im Gegensatz zu Regenerativen – dezentralen – Energien.
Auch die Fortführung fossiler Abhängigkeiten wird geflissentlich ausgeblendet. Atomkraftwerke benötigen viel URAN. Das kommt leider nicht aus demokratisch legitimierten Ländern, sondern aus kritischen, autoritär regierten Regionen wie Russland. Zudem ist Uran analog zu Kohle und Öl ein endlicher Rohstoff.
Die wachsende Skepsis gegenüber der Atomenergie, insbesondere in Europa ist also aus vielen Gründen erklärbar. Die Energiewende hat global Fahrt aufgenommen und viele Länder sind in der Umsetzung, ihre Abhängigkeit von der Atomkraft und den fossilen Energien zu reduzieren oder ganz aufzugeben. Die Erneuerbaren sind nicht mehr aufzuhalten und mittlerweile eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Der Zubau allein 2025 hat nach Angaben von Irena (Internationale Agentur für Erneuerbare Energien) global einen Anstieg von 15,5% (692 GW) auf insgesamt 5149 GW installierte Leistung gebracht. Aufgrund des enormen ökonomischen Vorteils lassen sich die Erneuerbaren nicht aufhalten, auch nicht durch die erratische Politik des US-Präsidenten. Wer auf fossile Energieträger setzt wird nur verlieren können. Die aktuelle Situation an der Straße von Hormuz ist mehr als ein Wink mit dem Zaunpfahl.
Zu Schluss kommen wir nochmals zurück auf den 26. April 1986. An diesem Tag des Gedenkens erinnern wir uns an die Unzahl an Menschenleben, die durch die Katastrophe in Tschernobyl betroffen wurden. Es ist eine Mahnung, die Risiken der Atomkraft nicht zu vergessen und einen dialogischen und verantwortungsvollen Umgang mit Energiequellen anzustreben.
Lasst uns in diesem Gedenken und in der Reflexion über die Geschehnisse von damals eine Zukunft gestalten, in der Energie nachhaltig und sicher produziert wird. Nur so können wir die Lehren aus der Vergangenheit in eine verantwortungsvolle Energiepolitik der Zukunft integrieren.
Annex
Hier der link zum globalen Nuklearreport:
https://www.worldnuclearreport.org/World-Nuclear-Industry-Status-Report-2025

Das exponentielle Wachstum regenerativer Energien ist nicht mehr aufzuhalten. Quelle: Irena

Die Kosten der Lagerung radioaktiver Abfälle in Deutschland, nach dem Ausstieg.
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